Hallo zusammen
Hallo Markus!
Vielen Dank für den Link!
In dem von Markus geposteten Link, steht ziemlich präzise die Zusammenfassung des o.g. Vortrages, der auch beim Herbsttreffen des AK Diskus präsentiert wurde.
Zwei Kernaussagen stehen für mich, als Halter von sog. Weichwasserfischen, im Vordergrund:
Zitat von der Hompage der DATZ hat geschrieben:Wissenschaftliche Untersuchungen der Regulationsfähigkeit von Fischen beim Umsetzen in extreme Gewässer zeigten in der Tat, dass solche Anpassungsleistungen beim Umsetzen von weichem in hartes Wasser (korrekt: von ionenarmem in ionenreicheres Wasser) und umgekehrt sehr schnell, oft innerhalb von Stunden, vonstatten gehen und meist nach drei bis vier Tagen abgeschlossen sind (Wood et al. 2002; Wang et al. 2003; Gonzalez & Wilson 2001). Von einer evolutiven Anpassung im Zeitraum von mehreren Generationen kann deshalb also im Zusammenhang mit Ionen- und pH-Regulation keine Rede sein.
und
Zitat von der Hompage der DATZ hat geschrieben:Wissenschaftlich betrachtet spricht demnach nichts dagegen, Fische, die ursprünglich aus Weichwassergebieten stammen, auch in deutlich ionenreicherem Wasser zu halten, falls es auch mit anderen Möglichkeiten als durch Reduktion der Ionenkonzentration, niedrigen pH-Werten und Zugabe von Huminsäuren möglich ist, die Belastung durch Keime und Abbauprodukte gering zu halten.
Beim ersten Zitat, letzter Satz, finde ich persönlich, dass dort versucht wird vorschnell von Dr. Hetz (was komischerweise lediglich von mir bei dem Vortag beim AK Diskus kritisch hinterfragt wurde) eine wissenschaftliche Kausalität herzustellen. Aus meiner Sicht wird in den Studien (die mir nicht im Detail vorliegen) lediglich "bewiesen", dass die untersuchten Fische in einer gewissen Bandbreite die Möglichkeit haben sich an veränderte Parameter (Ionenzusammensetzung und pH) zu akklimatisieren (nicht adaptieren!). Der letzte Satz relativiert allerdings meine Kritik dahingehend, dass Dr. Hetz dort konkretisiert, dass die Untersuchungsergebnisse sich auf die Regulationsmechanismen beziehen.
Leider widerspricht dem aber das zweite Zitat (erster Satz), in dem dann explizit geschrieben wird, dass aus wissenschaftlicher Sicht nichts dagegen spricht, Weichwasserfische in deutlich härterem Wasser zu halten.
Soviel dazu, um meine momentane Position dazustellen und zu begründen.
Auch wenn ich dem Ergebnis kritisch gegenüber stehe, war dies für mich einer der besten Vorträge, die ich seit Jahren gehört habe. Die dort gezeigten Untersuchungsergebnisse waren mir bislang so noch nicht bekannt. Hinzu kommt, dass Herr Dr. Hetz eine natürliche Gabe hat, solch ein "trockenen" Stoff mit Humor aufzupeppen.
Jetzt komme ich aber zur Praxis, die sich aus meiner Erfahrung (die mir in Diskussionen mit Gerhard Rahn und Markus Jochheim auch bestätigt wurde (beide beobachten die Diskussion hier)) aber trotzdem mit den im Vortrag gemachten Aussagen deckt. Nämlich, dass es zu deutlich weniger Problemen bei der Haltung von Diskusfischen kommt, wenn sie in einem mittelharten Wasser gehalten werden (im Vergleich zu Diskusfischen, die in extrem weichen Wasser (< 2° dKH) gehalten werden)
Wichtig empfinde ich hier, darauf hin zu weisen, dass es um die dauerhafte Haltung und nicht um die Zucht geht.
Auch möchte ich jetzt nicht weiter ausholen, welche Einflussparameter sich positiv verändern, wenn man ein etwas härteres Wasser zur Haltung wählt, sondern mich im Speziellen nur auf die Ionenregulation und deren Folgen für den Fisch beschränken. Eine weiteregreifende Diskussion zusätzlicher Betrachtungspunkte würde IMHO zu weit führen und uns vom Thema abbringen.
Ebenso wird auch unter Liebhaber manchmal diskutiert, dass die Aquarienfische aus dem Amazonasgebiet eine rel. hohe Salztoleranz haben, die sich bei einer medikamentösen Behandlung mit Salzzugaben im Wasser wiederspiegelt.
Meine These diesbezüglich (und das wäre evolutionsbiologisch eventl. eine Untermauerung von den Aussagen von Dr. Hetz), liegt in der entwicklungsgeschichtlichen Geologie des Amazonasgebietes. Laut Mayland (Diskusfische Könige Amazoniens, Landbuch-Verlag, 1981) war das Amazonasgebiet bis vor 25 Mio. Jahren eine Brackwasserzone, in der auch Meeresbewohner einwanderten (siehe hierzu auch das jetzige Vorkommen von Süßwasserdelphinen, Rochen, Sardinen und Seezungen, die meines Wissens ansonsten nur im Salzwasser vorkommen). Danach wurde der Meerwasserzufluss durch das Auffalten der Anden unterbrochen und es bildete sich ein Binnenmeer aus, welches durch die Süßwasserzuflüsse zunehmend an Salzgehalt verlor. Durch ein Ansteigen des Meerwasserspiegels vor 2 Mio. Jahren, drang dann allerdings von Osten her wieder Salzwasser in diese Region. Dieses hin und her (bedingt durch verschiedene Eiszeiten und der sich dadurch verändernden Meeresspiegel) ging dann bis vor rund 80.000 Jahren. Seit dem prägte sich dann ein Flusssystem aus, das wegen seines extrem geringen Ionengehaltes des Wassers, uns nun zu solchen Diskussionen animiert.
Um nun zum Abschluss meiner Ausführungen zu kommen, stellt sich mir momentan folgende Frage:
- was passiert z.B. langfristig mit den Nieren eines Weichwasserfisches, der evolutionsbiologisch seit mindestens 50.000 Jahren sich dahingehend angepasst hat, dass er gezwungen ist, rel. hohe Mengen an Urin abzusondern, um dem kontinuierlichen Wassereinstrom entgegen zu wirken?
Herr Dr. Hetz ist von mir über diesen Thread informiert und wenn er Zeit hat, wird er am Wochenende hier mal reinschauen.
Gruß Patriz