Vollentsalztes Wasser und "natürliches Wasser"

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Re: Vollentsalztes Wasser und "natürliches Wasser"

Beitragvon Ioan C. » 15.11.2016 10:31

Moin Peter,
Peter L. hat geschrieben:... die Nitrifikation übernehmen zunehmend heterotrophe Pilze, die bei diesem PH Wert gut wachsen.
Morgen schreiben ich noch wenig mehr, habe gerade Gäste. :prost2:
Gruss Peter
Machen es die Pilze so wie die Bakterien, sind sie für die Fische nicht gefährlich?
Ich müsste mich schämen, von diesen Pilzen noch nichts zu wissen, was ihre Rolle in der Aquaristik betrifft. :(
Gruß, Ioan
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Re: Vollentsalztes Wasser und "natürliches Wasser"

Beitragvon Peter L. » 19.11.2016 07:50

Hallo Ioan,


Machen es die Pilze so wie die Bakterien, sind sie für die Fische nicht gefährlich?
Ich müsste mich schämen, von diesen Pilzen noch nichts zu wissen, was ihre Rolle in der Aquaristik betrifft.


Brauchst dich nicht zu schämen, über das Thema gibt es meines Wissens, bezogen auf die aquaristischen Verhältnisse, kaum Abhandlungen. Ich kann da nur von meinen Erfahrungen sprechen, dass ich bei einer Haltung der Diskusfsiche z,B, bei PH 5 keine Erkrankungen durch Verpilzungen erkennen konnte.

Man kann aber zu einem gewissen Teil die Abhandlungen zur Nitrifikation aus der Bodenkunde für die Aquaristik ableiten.

Ich habe dir mal einen entsprechenden Textauszug rausgesucht =>

https://books.google.de/books?id=0iWGAw ... en&f=false

Nach meiner Erfahrung, wird die Leistungsfähigkeit der Mikroorganismen durch eine zu schnelle PH Wertabsenkung in den Bereich von PH 5 vorübergehend stark herabgesetzt. Über einen Zeitraum von 2-3 Wochen etablieren sich dann andere säuretolerante Arten wie Hefen, säuretolerante Bakterien oder Pilze, die dann die Nitrifikation wieder zunehmend übernehmen.

Viele ( auch pathogenen) Bakterienarten wachsen bei niedrigen PH Werten um PH 5 nur langsam oder gar nicht mehr, ich vermute, hier liegt der Vorteil für die Aquaristik.

Quellenangabe =>

http://webdoc.sub.gwdg.de/ebook/diss/20 ... 0/kap2.pdf

2.2.4.2 pH-Wert
Die Verwendung von Säuren hat eine lange Tradition bei der Herstellung von Lebensmitteln.
Der Einsatz von Essigsäure für eingelegtes Gemüse oder die Bildung von Milchsäure durch
die fermentative Aktivität der Starterkulturen und nativer Flora in verschiedenen Milch- und
Fleischprodukten sind bekannt (BRYAN et al., 1979; SMITH u. PALUMBO, 1973).
Der optimale pH-Bereich für das Wachstum von Salmonellen liegt zwischen 6,5 und 7,5 mit
Vermehrungsmöglichkeiten bei pH-Werten von 4,5 bis 9,0 und langsamem Absterben bei
extremeren Bedingungen (McDERMID, 1996).
Ein ebenso entscheidender Faktor für das Wachstum von Salmonellen wie die Azidität des
Mediums ist die verwendete Säure. Der Tab. 2.3 sind die minimalen pH-Werte, bei denen
sich Salmonellen vermehren, in Abhängigkeit von der Säure zu entnehmen (CHUNG u.
GOEPFERT, 1970). Die dort aufgeführten pH-Werte stellen Minimalwerte dar, die unter
sonst für Salmonellen optimalen Lebensbedingungen hinsichtlich Temperatur, Sauerstoffund
Nährstoffangebot ermittelt wurden.
Organische Säuren entwickeln ihre antimikrobielle Wirkung nur im dissoziierten Zustand
(EL-GAZZAR et al., 1987), da das Molekül nur als Anion in die Zelle eindringen kann
(RUBIN et al., 1982). Der Dissoziationsgrad einer Säure wird entscheidend vom pH-Wert
bestimmt. Wird Milch mit Salzsäure auf einen pH von 3,85 eingestellt, wird S. typhimurium
am Wachstum gehindert, Milchsäure hingegen schädigt den Keim irreversibel bei ansonsten
gleichem pH-Wert. Bei einem pH-Wert von 6,5 wirkt auch Milchsäure lediglich
Bakteriologische Grundlagen 13
bakteriostatisch (RUBIN u. VAUGHAN, 1979). Der antibakterielle Effekt von Ameisen-,
Essig-, und Propionsäure gegen S. typhimurium sinkt bei steigendem pH-Wert und zunehmender
Länge der Fettsäuren (GOEPFERT u. HICKS, 1969). Diese Ergebnisse werden von
ROSSO et al. (1997) bestätigt, die eine einfache Beziehung zwischen dem Dissoziationsgrad
einer Säure und dem minimalen pH-Wert ermittelten. Diese Erkenntnis liegt d


Aus dem obigen Auszug kann man auch die beschriebenen Vorteile von Kanne Brotrunk für Aquaristik rauslesen.

Die Erfahrungen zeigen ja eben gerade bei unseren Diskusfischen, dass sie im sauren, weichen Wasser weniger gesundheitliche Probleme bekommen, das liegt m.E. an den oben genannten Verhältnissen. Wobei ich auch der Meinung bin, dass ein überfüttertes Aquarium, mit im Verhältnis zum Futtereintrag zu wenig Wasserwechsel oder sonstige in der Summe zu geringen keimsenkenden Maßnahmen, immer Schwierigkeiten machen wird, da hilft auch eine Absenkung des PH Werten nicht.


Gruss Peter
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