Quarantäne / Bakterielle Unverträglichkeit

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Quarantäne / Bakterielle Unverträglichkeit

Beitragvon Harry » 19.01.2014 10:23

Quarantäne die beste Krankheitsprophylaxe
von Patriz Hilsenbeck

Interessanter Weise diskutieren Diskusliebhaber sehr häufig über die Krankheiten und Probleme ihrer Pfleglinge.
Viel wichtiger ist es aber Krankheiten zu vermeiden! Eine fachgerechte Quarantäne ist hierzu der Grundstein zu gesunden Diskusfischen.
Quarantäne die beste Krankheitsprophylaxe

Interessanter Weise diskutieren Diskusliebhaber sehr häufig über die Krankheiten und Probleme ihrer Pfleglinge. Vielleicht hängen diese Diskussionen mit dem monitären Wert unserer Schützlinge zusammen, wobei leider oftmals zu erkennen ist, dass das Siechtum oder der Verlust eines Neons oder Guppys viel geringer bewertet, als dies bei einem Diskus oder Koi ist.
Betrachten wir es aus der Sicht des Diskusfisches als erfreulich, wobei folgender Artikel sich durchaus auch positiv auf die Gesundheit der "Beifische" auswirkt.

Die sogenannte Diskusseuche
Angeregt durch den Artikel "Erfolgreiche Bekämpfung der Diskus-Seuche" im DB 3/2004, glaube ich zu erkennen, dass das Thema Quarantäne zwar in aller Munde ist, aber durchaus unterschiedlich interpretiert wird.

Um kurz auf die oft diskutierte Diskusseuche zu kommen, hat sich in meinem Sprachgebrauch auch der Begriff der so genannten Diskusseuche eingebürgert. Alle Schilderungen über die sog. Diskusseuche, haben eins gemeinsam. Auslöser waren neu erworbene Diskusfische aus anderen Anlagen. Die Virulenz der übertragenen Erreger war so groß, dass nicht selten binnen kürzester Zeit der gesamte Bestand zu Grunde ging oder zumindest gefährdet war. Inwieweit tatsächlich, wie auch zu lesen ist, die Raumluft als Übertragungsweg schon genügt, kann ich leider nicht beurteilen, da die Fische in meiner Zuchtanlage bislang noch nicht mit so massiven Symptomen reagiert haben. Nach meinen mir mündl. zugetragenen Informationen, wurde ein Forschungsprojekt der Universität Düsseldorf zum Thema "Diskusseuche" aufgrund mangelnder Untersuchungstiere, ohne neue Erkenntnisse, eingestellt.

Seuchenbiologisches Gleichgewicht
Sicherlich werden es viele Aquarianer schon mal erlebt haben, dass sie Fische erworben haben, die nach dem Einsetzen zum Ausbruch einer Krankheit geführt haben, obwohl bei der Begutachtung vor dem Kauf keine Abnormalitäten im Hälterungsbecken und den neuen Tieren festzustellen war.

Wer sich dann die Mühe gemacht hat auf Ursachenforschung zu gehen und seinen Händler oder Züchter des Vertrauens nochmals zu besuchen, wird meistens mit Erstaunen feststellen, dass es den Brüdern und Schwestern der eingesetzten Diskusfische beim Händler/Züchter nach wie vor gut geht. Zu schnell wird oftmals die Qualifikation des Händlers in Frage gestellt, weil aus dem Zusammenhang mit dem Neuerwerb und dem Ausbruch der Krankheit falsche Schlüsse gezogen wurden. Aber warum kann so etwas passieren?

Bereits 1937 wies Schäperclaus auf ein seuchenbiologisches Gleichgewicht hin. Dies bedeutet, dass sich in jeder gut funktionierenden Aquarienanlage nach einer gewissen Zeit, die Abwehrmechanismen der Wirte (z.B. Diskusfische) und die Population der Erreger (Bakterien, Parasiten, Viren und Pilze) so "eingespielt" haben, dass es zu keinem Ausbruch einer Krankheit kommt. Erst massive negative Veränderungen in den Hälterungsbedingungen, beeinflussen das Immunsystem der Wirte so nachteilig , dass es zu einem Krankheitsausbruch kommt. Die Verschlechterungen der Pflegebedingungen sind oftmals so schleichend, dass es schwer fällt im Nachhinein die Ursache noch ausfindig zu machen.

Immunstatus
Eine weitere Thematik im Zusammenhang mit dem Ausbruch von Krankheiten, nach dem Zukauf von Fischen, ist die unterschiedliche Resistenz oder Immunität. Kommt ein Fisch (bei uns Menschen ist das nicht viel anders) mit einem Erreger (Antigen = körperfremde Substanz) in Kontakt, springt sofort das Immunsystem an und bekämpft diese Erreger mit verschiedenen Strategien der spezifischen und unspezifischen Abwehr.

Bei der unspezifischen Abwehr (Resistenz), die durch die genetische Veranlagung vorbestimmt ist, erfolgen Reaktionsmechanismen (z.B. vermehrte Schleimproduktion, Entzündung, Erhöhung der Körpertemperatur u.a.), die die Erreger ungezielt versuchen zu vernichten.

Bei der spezifischen Abwehrreaktion (Immunität), muss ein vorheriger Kontakt mit dem Antigen stattgefunden haben, wobei dies dann immer einen individuell erworbenen Zustand darstellt. D.h. spezifische Immunrektionen bedingen einen vorherigen Kontakt mit dem Erreger. Auf die einzelnen Immunitäten, wie die humorale oder zelluläre Immunität einzugehen, würde den Rahmen dieser Abhandlung sprengen. Tobias Möser äußerte mir gegenüber, dass es gegen Ichthyo und zahlreiche andere Krankheitserreger eine spezifische Immunantwort geben könnte. Forschungsarbeiten wurden von ihm in dieser Richtung nie unternommen, aber die Funktion des Immunsystems und zahlreiche empirische Beobachtungen -nicht nur von ihm- legen diesen Sachverhalt nahe. Wer tiefer in die Materie eintauchen möchte, dem seien die im Literaturverzeichnis genannten Werke von Janeway et al., Iwama und Hunt empfohlen.

Ferner sollte beim Aufzeigen der Resistenz oder Immunität ein Gefühl dafür vermitteln werden, dass die Fische aufgrund der Zuchtpraxis, Hälterungsbedingungen oder Erregerkontakt einen unterschiedlichen Immunstatus haben, in dessen Folge auch unterschiedliche Reaktionen im Kontakt mit Krankheitserreger auftreten können.

Um diesen Fakten (seuchenbiologisches Gleichgewicht, unterschiedliche Immunstatus) Rechnung zu tragen, sollte generell beim Neuerwerb eine Quarantäne durchgeführt werden.

Quarantäne
Ziel der Quarantäne ist es, möglichen Auffälligkeiten, die sich erst nach dem Umsetzen zeigen oder entdeckt werden, nachzugehen und den Altbestand vor möglichen Infektionen zu bewahren.

Nach dem schonenden anpassen der Wasserwerte, werden die Fische in einem eigens zur Quarantäne eingerichteten Aquarium, das separat gefiltert wird, eingesetzt. Das es sich beim Quarantänebecken natürlich um ein eingefahrenes und dem Besatz entsprechendem Aquarium handeln muss, ist hoffentlich einhellige Meinung.

Hälterungsbedingter Stress (zu kleines Aquarium, Nitrit, etc.) ist unbedingt zu vermeiden. Ebenso sollten die Gerätschaften für das Quarantänebecken ausschließlich benutzt oder zumindest nach Gebrauch desinfiziert werden. Auch sollten die Hände, die mit dem Wasser in Berührung kamen gründlich gewaschen werden, bevor man sich den Pflegearbeiten an anderen Aquarien widmet.


Danach beginnt die eigentliche Quarantäne, die sich in 3 Stufen gliedert:

Stufe 1

• Eingewöhnung und optische und Kontrolle des Verhaltens
Hierbei werden die Fische an die neue Umgebung gewöhnt und beobachtet. Bei der optischen
Kontrolle der zugekauften Fische, wird insbesondere auf Verhaltensauffälligkeiten geachtet.
o Nehmen alle Fische Nahrung auf (Achtung: manchmal spucken die Diskusfische erst einige Sekunden später ihre Nahrung wieder aus)
o Farbe des Kotes
o Schleimhaut oder Hautveränderungen
o Allgemeinzustand des/der Tiere

Stufe 2

• Wasseranpassung
Ist die erste Stufe der Quarantäne ohne erkennbare Auffälligkeiten nach ca. 2 Wochen abgeschlossen, beginnt man jetzt, zunächst in kleinen Mengen, das Wasser im
Quarantänebecken mit dem Wasser aus dem späteren Hälterungsbecken "anzuimpfen".
• Die Beobachtungen von Stufe 1 werden nach wie vor durchgeführt.

Stufe 3

• Zusetzen eines "Probefisches"
Zeigen die zugekauften Fische nach weiteren 2 Wochen keine Auffälligkeiten, wird nun ein Fisch aus dem Altbestand zu den Fischen im Quarantänebecken gesetzt.
• Nach meinen Erfahrungen ist dies die kritischste Phase der Quarantäne. Die Beobachtungsintervalle sollten hier sehr engmaschig sein, damit bei eventl. Problemen direkt
reagiert werden kann.
Treten innerhalb von 2 Wochen, nach dem Zusetzen des "Probefisches" keinerlei Auffälligkeiten auf, kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass die Neuankömmlinge
mit dem Altbestand problemlos vergesellschaftet werden können.
In 95 von 100 Fällen (meine Schätzung) wird nichts passieren und die Quarantäne zeigt keine Auffälligkeiten. Wer sich aber, wie im o.g. Artikel beschrieben, gegen
fatale Krankheitsausbrüche absichern möchte, ist gut beraten eine gewissenhafte Quarantäne durchzuführen.

Fazit
Die Quarantäne ist sicherlich ein lästiger Mehraufwand in der Haltung von Aquarienfischen. Wer aber schon mal massive Probleme nach dem Neuerwerb von Fischen hatte, wird den Sinn einer solchen Maßnahme nicht anzweifeln.

Ein ebenso zu beachtender Faktor ist die bei Diskusliebhabern häufig anzutreffende "Sammelleidenschaft" oder "Fischtourismus". Der Bestand wird aus mehreren unterschiedlichen Quellen zusammen gekauft. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Diskushalter die aus einer oder max. zwei Quellen ihre Fische erworben haben, deutlich seltener Probleme bekommen, als Diskusliebhaber die keinem schönen Diskusfisch widerstehen können.

Literatur:

Diskusbrief Heft 3 2004
Fischkrankheiten (Band1), Wilhelm Schäperclaus, 1990
Taschenbuch der Fischkrankheiten, Erwin Amlacher, 1986
Gesundheitsproblemen bei Diskusfische, Horst W. Köhler, 2003
Symposium on Immunology and Disease Control Mechanisms of Fish, T.C. Hunt, T.C., 1987
The Fish immun system, G.K. Iwama, 1996
Nette(taler) Grüße
Harry
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Ich habe mehr Respekt vor denen die ehrlich gegen mich die Faust erheben,
als vor denen die mir verlogen die Hand reichen
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